Ein massives Ungleichgewicht in der Förderung kultureller Institutionen und Projekte trat auf Anfrage der Dresdner SPD-Stadtratsfraktion zutage. Kultur gibts nicht zum Nulltarif - natürlich. Rechnet man die kommunalen Zuschüsse und die erzielten Einnahmen gegeneinander auf, so ergeben sich recht unterschiedliche "Subventionen": Eine Karte für die Operette oder die Philharmonie wird demnach mit ca. 90,00 EUR bezuschusst. Beim umstrittenen Engagement der Forsythe Company sind es dagegen mehr als 600,00 EUR pro verkaufte Karte.
Kommunales
Ganz genau sind es 602,43 Euro pro Zuschauer. Auf die Anfrage der SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat ließ die Stadtverwaltung wissen, dass die Forsythe Company im zurückliegenden Jahr von der Stadt Dresden 1,5 Millionen Euro über den Hauptstadtkulturvertrag erhalten hat. Zudem wurden für die Residenzen und die technische Grundbetreuung der Forsythe Company im Festspielhaus Hellerau im Jahr 2009 157.295,49 Euro aufgewendet. Die 27 Veranstaltungen der Forsythe Company im Jahr 2009 sahen insgesamt 2.751 Besucher. Die Anzahl der in dieser Zahl enthaltenen Freikarten konnte von der Stadtverwaltung noch nicht angegeben werden. Die Eintrittsgelder bei den Veranstaltungen der Forsythe Company fließen an die Company.
Der Zuschuss für das Europäische Zentrum der Künste Hellerau EZKH betrug im Jahr 2009 2.596.425,51 Euro. Im Jahr 2009 haben 7.191 zahlende Gäste die Veranstaltungen des EZKH besucht. Der Zuschuss betrug somit 361,06 Euro pro zahlenden Gast. Im Jahr 2009 erzielte das EZKH aus den Kartenverkäufen für eigene Veranstaltungen Einnahmen in Höhe von 89.103,00 Euro.
Auf die Frage, ob nach Ansicht der Stadtverwaltung die Mittelverwendung des EZKH den Grundsätzen einer sparsamen und effektiven Mittelverwendung entspricht, antwortete die Stadtverwaltung einsilbig: „Ja.“
Annekatrin Klepsch, Fraktion Die Linke im Dresdner Stadtrat: "Angesichts des Missverhältnisses von Besucherzahlen und kommunaler Zuschüsse der Forsythe Company stellt sich die Frage der Verteilungsgerechtigkeit. Andere Dresdner Kultureinrichtungen wie z.B. das Societaetstheater erreichen mit der Hälfte des Etats deutlich mehr ZuschauerInnen, trotz eines künstlerisch-avantgardistischen Anspruches. Für 1,5 Millionen Euro Zuschuss kann die Stadt Dresden auch erwarten, dass die Company mehr in die Stadt hineinwirkt, am Tanz interessierte Jugendliche und Erwachsene erreicht und das Festspielhaus nicht nur als Aufführungsort benutzt."
Wilm Heinrich, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat: „ Die Zuschüsse für die Forsythe Company und EZKH sind nicht vertretbar. Der von uns stets kritisierte und von der SPD-Fraktion abgelehnte Vertrag mit der Forsythe Company erweist sich mehr und mehr als Fehler. Die Landeshauptstadt sollte mit der Forsythe Company und den anderen Vertragspartnern über eine Aufhebung des Vertrages verhandeln. Das Dresdner Kulturamt steht bei dem Geschehen im Festspielhaus insgesamt in der Verantwortung. Das künstlerische Konzept des EZKH hat im zurückliegenden Jahr nicht zu der erwarteten Belebung des Festspielhauses geführt, von einer wirklichen Teilhabe der Dresdnerinnen und Dresdner und der Gäste der Stadt an dem Geschehen im Festspielhaus kann bei den Veranstaltungen des EZKH nicht die Rede sein.“

Stadtratsfraktion