Leben ist mehr als nur arbeiten

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Für eine erneuerte Sonntagskultur
[Artikel aus dem aktuellen Sachsen-Vorwärts]
Mit deutlicher Mehrheit hat sich die sächsische SPD bei ihrem Landesparteitag dafür ausgesprochen, den Sonntag wieder zum Ladenschlusstag zu machen. „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands befürwortet eine erneuerte Sonntagskultur“, heißt es in dem Beschluss. „Sie tritt dafür ein, dass der Sonntag wieder ohne Ausnahme ein Ladenschlusstag wird. In den Bundesländern setzt sich die SPD für eine entsprechende Änderung der Ladenschlussgesetze ein. In den Stadt- und Gemeinderäten wird sich die SPD für einen Schutz der Sonntagsruhe einsetzen und durch Landesgesetz ermöglichte Sonntagsöffnungszeiten ablehnen.“

Mit diesem Beschluss stellt sich die sächsische SPD an die Seite der Kirchen und Gewerkschaften, die in der „Allianz für den freien Sonntag“ gemeinsam gegen eine Ausweitung der Sonntagsarbeit kämpfen. Unumstritten ist eine solche Position nicht. Doch es gibt gute Argumente für sie. Und will die SPD Profil gewinnen, dann muss sie sich auch trauen, in Konfliktthemen eine eindeutige Stellung zu beziehen- selbst wenn diese nicht von 100 Prozent der Bevölkerung geteilt wird.

Jeder sollte frei entscheiden können, ob er einkaufen will oder nicht
„Aber jeder sollte doch selbst frei entscheiden können, ob er sonntags einkaufen will oder nicht. Das sollte nicht reglementiert werden“, lautet ein häufiger Einwand gegen einen gesetzlichen Ladenschluss am Sonntag. Die Sozis seien doch eine freiheitliche Partei, oder? Das stimmt schon. Aber Freiheit findet ihre Grenze eben immer an der Freiheit der anderen. Während die Konsumenten freiwillig sonntags einkaufen gehen, stehen die Verkäufer eben nicht freiwillig im Laden. Was die Sonntagsarbeit gerade in diesem frauendominierten Beruf für Auswirkungen hat, lässt sich gut unter http://einzelhandel.verdi.de/ladenschluss nachlesen.

Andere müssen doch sonntags auch arbeiten
Taxifahrer, Polizistinnen, Krankenpfleger und Musikerinnen – viele andere Menschen müssen doch sonntags auch arbeiten. Warum sollte gerade Verkaufspersonal das Privileg haben, sonntags frei zu machen? fragt ein anderer Einwand oft. Diese Frage macht deutlich, was sich bereits jetzt in unserer Gesellschaft verändert: Die Sonntagsarbeit droht, nicht mehr als Ausnahme gesehen zu werden, sondern als Regelfall. Die Ausnahme besteht dann eher darin, sonntags nicht zu arbeiten. Eine solche Entwicklung hat fatale Folgen für unsere Gesellschaft, die bereits jetzt sehr beschleunigt und durchökonomisiert ist. Sonntagsarbeit muss eine Ausnahme bleiben. Und all die, die mit ihrer Arbeit sonntags dafür sorgen, dass wir Strom haben, sicher sind, gepflegt werden oder uns kulturell unterhalten und amüsieren können, haben den Dank und die Anerkennung unserer Gesellschaft verdient. Deshalb setzen wir uns nicht nur gegen die weitere Aushöhlung der Sonntagsruhe ein, sondern auch dafür, dass die Arbeitsbedingungen und der soziale Schutz all jener, die sonntags ran müssen, verbessert werden.

Wer sonntags arbeitet, hat dafür in der Woche frei

Dieses Thema kennen vor allem Beschäftigte, die in Schichten arbeiten, sehr gut. Ein freier Wochentag ist ohne Zweifel angenehm. Das Einkaufen und die Behördengänge sind sogar viel besser zu erledigen. Doch all das, was über die Verrichtungen des Alltags hinausgeht, braucht gemeinsam geteilte Freizeit: Familienbesuche, Feiern mit Freunden und gemeinsame Ausflüge leben davon, dass alle am gleichen Tag frei haben. Beim freien Sonntag geht es nicht nur um christliche Werte und die Möglichkeit des Kirchgangs. Beim freien Sonntag geht es um nicht weniger als die „seelische Erhebung“, wie es das Grundgesetz beschreibt. Es geht darum, dass wir alle miteinander zum gleichen Zeitpunkt die Chance haben innezuhalten, das Hamsterrad der Woche zu verlassen und gemeinsam neue Kraft zu tanken. Denn Leben ist mehr als nur arbeiten.

 
 

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