„Die Frage, wie wir mit Menschen in Not umgehen, ist die Nagelprobe für uns alle“

Erklärung von Fraktionsvorsitzenden des Dresdner Stadtrates und der Oberbürgermeisterin

rathaus„Zwischen der Oberbürgermeisterin und Vertretern des Stadtrates gab es in den letzten Wochen immer wieder einen Gedankenaustausch darüber, die Erfahrungen aus der AG 13. Februar auch bei der problematischen Situation im Zusammenhang mit Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Die Oberbürgermeisterin hat mit Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates vereinbart, eine gemeinsame Erklärung abzugeben. Alle Einwohnerinnen und Einwohner, Organisationen und Institutionen sind herzlich eingeladen, sich der Erklärung anzuschließen“, sagt Pressesprecher Kai Schulz.

Wortlaut der Erklärung:

Im Herbst 1989 gingen tausende von Dresdnerinnen und Dresdnern auf die Straße und riefen: “Wir sind das Volk!”. Dieser Ruf steht seither als Symbol für Demokratie. Demokratie bedeutet für uns mehr als Volksherrschaft. Demokratie beruht auf der universellen Anerkennung der Menschwürde als Grundlage allen staatlichen Handelns. 25 Jahre nach den Ereignissen im Herbst ´89 wird von einigen versucht, den Ruf “Wir sind das Volk!” auf unseren Straßen umzudeuten.

Dresden ist eine weltoffene Stadt. Dresden ist eine weltweit anerkannte Kulturmetropole. Dass das so ist, haben wir denjenigen zu verdanken, die uns 1989 einen Neuanfang und die heutige Lebensqualität erst ermöglicht haben.. Dieser Neuanfang hat aber auch sehr viel damit zu tun, dass Menschen aus allen Himmelsrichtungen in unsere Stadt gekommen sind und Deutschland und die Welt uns unterstützten.

Wer das nicht glaubt, sollte sich zwei Fragen stellen: Wo ständen wir heute in Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft? Was wäre aus der Frauenkirche geworden?

Der Ruf „Wir sind das Volk!“ steht für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde. Es ist deshalb selbstverständlich, dass wir vor dem Hintergrund dieses Vermächtnisses solidarisch sind.

Solidarisch mit denen, deren Leben in ihrer Heimat gefährdet ist.

Solidarisch mit denen, die bei uns Schutz suchen.

Solidarisch mit denen, die keinen anderen Weg mehr sehen, als ihre Heimat zu verlassen.

Die Frage, wie wir mit Menschen in Not umgehen, ist die Nagelprobe für uns alle. Wir wissen, dass das keine einfache Frage ist. Wir nehmen die Sorgen und Anregungen der Dresdnerinnen und Dresdner sehr ernst und kümmern uns darum. Keine Antwort ist: Menschen zu bedrohen, die hier Schutz suchen. Keine Antwort ist: Menschen zu beschimpfen, die sich um Hilfesuchende kümmern.

Unsere Antwort ist: Wir stellen uns gemeinsam diesen Aufgaben, helfen Sie uns hierbei. Heißen Sie Menschen in Not willkommen. .

Erstunterzeichner:

Helma Orosz, Oberbürgermeisterin;

Jan Donhauser, Fraktionsvorsitzender, CDU-Fraktion;

André Schollbach, Fraktionsvorsitzender, Fraktion Die Linke;

Christiane Filius-Jehne, Fraktionsvorsitzende, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen;

Thomas Löser, Fraktionsvositzender, Fraktion Bündnis 90/Die Grà ¼nen;

Dr. Peter Lames, Fraktionsvorsitzender, SPD-Fraktion;

Bernd Lommel, Fraktionsvorsitzender, AfD-Fraktion.

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