Eine Studie zum Niedriglohnsektor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigte erneut auf, dass sehr viele Menschen in Sachsen mit niedrigen Löhnen auskommen müssen. In Dresden liegt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit niedrigem Gehalt bei 23 Prozent.

„Angesichts der vergleichsweise besseren Situation Dresdens, in Bezug auf den Rest Sachsens, fällt schnell unter den Tisch: fast jeder und jede vierte Beschäftigte in Dresden bekommt nur Niedriglohn. Das ist bitter, gerade auch angesichts der steigenden Mieten und Lebenskosten in dieser Stadt. Und das in einer Stadt des Hightechs und großer Unternehmen. Es gibt auch in Dresden ein tiefes Ohnmachtsgefühl, trotz eigener harter Arbeitsleistung keine angemessene Vergütung und später entsprechend Rente zu erhalten. Auch damit ist ein Teil der Wut auf die Politik zu erklären, die wir in Dresden immer wieder erleben”, betont Albrecht Pallas, der Vorsitzende der SPD Dresden, mit Blick auf die Studie.

 

Gleichzeitig mache eine Zahl in der Studie auch Hoffnung: „Laut Studie landen heute, beispielsweise durch die Einführung des Mindestlohns, 320.000 Ostdeutsche weniger im Niedriglohnbereich. Man kann also etwas ändern! Ich nehme auch in Dresden wahr, dass sich immer mehr Beschäftigte nicht mehr klein machen: Sie streiten für höhere Tariflöhne und mehr Rechte. Oder sie stimmen mit den Füßen ab und suchen sich einen neuen Job, wo sie mehr verdienen können. Der geplante Mindestlohn von 12 Euro wird zudem dafür sorgen, dass insgesamt das Lohngefälle kleiner wird.”

 

„In dieser Stadt wurde sich lange Zeit zu wenig um die Alltagsprobleme der Menschen gekümmert, etwa dass der Lohn nicht zum Leben reicht. Es gibt einen stillen Teil der Bevölkerung, in deren Augen ihre Probleme in der Stadtpolitik kaum vorkommen. Das muss sich ändern”, so der Vorsitzende der SPD Dresden abschließend.

Hintergrund: Laut der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ist insgesamt die Zahl der Menschen im Niedriglohnsektor in Sachsen besonders hoch. Während im Freistaat 32,6 Prozent der Vollzeitbeschäftigten wenig Geld verdienen, sind es in Berlin 19,2 Prozent und in Baden-Württemberg sogar nur 13,7 Prozent. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte gelten als Geringverdiener, wenn sie weniger als 2/3 des mittleren (median) monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten der Kerngruppe verdienen. Am aktuellen Stichtag (31.12.2020) lag diese bundeseinheitliche Schwelle des unteren Entgeltbereichs bei 2.284 Euro brutto.

Hier geht es zur Studie… und hier zu den regionalen Zahlen.